Die Austria-Familie kann den Einzug in die neue Generali-Arena gar nicht mehr erwarten. Am 13. Juli soll es endlich so weit sein. Die Veilchen sind dann „endlich z’ Haus“! Mit dem Spiel gegen den deutschen Bundesligisten Borussia Dortmund soll die neue Ära eingeleitet werden.

neu, neu, neu: Barcelona tut es, Real Madrid tut es, Atlético Madrid tut es, Lazio Rom traut sich und auch die Wiener Austria bekommt ein neues Stadion. 17.500 Besucher werden in der neuen Generali-Arena Platz finden. Beim Auftaktspiel gegen den deutschen Bundesligisten Borussia Dortmund wird es gleich einmal aus allen Nähten platzen. Rund 42 Millionen Euro haben sich die Veilchen das neue Schmuckstück kosten lassen.

Aber bei der Austria war nicht immer alles eitel Wonne mit dem Stadion. Seit 1973 spielt man am Ver­teilerkreis. Doch schon in den Anfangsjahren gab es mit der violetten Heimstätte immer wieder Pro­bleme. So mussten die Veilchen von 1978 bis 1982 sogar vier Saisonen in den Wiener Prater ausweichen. „Die Zustände am Horrplatz waren katastrophal und nicht mehr tragbar“, kann sich Museumskurator Gerhard Kaltenbeck erinnern. „Das Stadion war damals schwer baufällig. Vor allem die Kabinen waren zu dieser Zeit stark einsturzgefährdet.“

Erster VIP-Klub in Österreich

1982 gab es dann den ersten Meilenstein der Austria-Familie – die Nord- und später auch die Westtribüne wurden eröffnet; die dann 1987 weiter ausgebaut wurde. Für ein Novum haben damals die Veilchen auch gesorgt. Nicht mit den Kabinen, die auf der Nordtribüne Platz gefunden haben, sondern mit dem VIP-Klub. Dieser war nämlich der erste in Österreich. Mit einem Cup- und einem Meisterschaftsspiel gegen SSW Innsbruck wurde das „neue“ Stadion auch gleich eröffnet. Das war zugleich auch der Startschuss für die „goldenen Zeiten“ der Wiener Austria.

Ausgewandert ist man dann aber trotzdem immer wieder – heute wäre so ein Spiel wie damals am 6. November 1985 nicht mehr ­möglich. In der zweiten Runde des Europacups der Meister (heute heißt ­dieser Bewerb Champions League) spielten die Violetten gegen Bayern München nämlich vor rund 18.000 Fans im Weststadion und konnten durch Treffer von Toni Polster (schnürte einen Doppelpack) und Alfred Drabits ein 3:3 erkämpfen.

Geholfen hat es trotzdem nichts, da man das Hinspiel in München mit 2:4 verlor. „Es wäre heute gar nicht mehr möglich, dass die Aus­tria ein Spiel im Stadion von Erz­rivale Rapid austrägt“, lächelt auch Kaltenbeck, „eigentlich darf man das ja gar nicht laut sagen.“

Im Laufe der Zeit wurde das Horr-Stadion immer wieder revitalisiert. So wurde etwa auf der Ostseite des Stadions eine Stahlrohrtribüne für die Auswärtsfans errichtet. „In der Ära Stronach wurde aber nicht wirklich viel beim Stadion gemacht. Da stand ja immer wieder die Übersiedlung nach Rothneusiedl im Raum. Erst danach wurde wieder kräftig investiert“, so Kaltenbeck weiter. Die Auswanderungspläne nach Rothneusiedl scheiterten und Investor Frank Stronach kam abhanden. Somit musste am Verteilerkreis wieder einiges erneuert werden. Wie zum Beispiel die Osttribüne, eine Rasenheizung wurde eingebaut und auch die Flutlichtanlage wurde komplett erneuert.

Die Austria-Fans mussten im Zuge dieses Neubaus auch umziehen. Von der West- ging es auf die neue Osttribüne, die neue Heimat der Austria-Fans. Diese wurde ebenfalls mit einem Spiel gegen Borussia Dortmund im Jahr 2008 feierlich eröffnet. Auch der Viola-Shop und ein Museum wurden hier integriert. „In den letzten Jahren wurde viel gebaut. Jetzt bekommen wir ein tolles, nachhaltiges Stadion“, freut sich Gerhard Kaltenbeck schon auf den Einzug ins neue Zuhause. „Wir können in unserer Vier-Sterne-Arena sogar bis zum Champions-League-Halbfinale spielen. Bei internationalen Spielen umfasst es 15.000 Zuschauerplätze. National finden sogar 17.500 Fans im Stadion Platz.“

Auch Champions League kann gespielt werden

Nachhaltigkeit war für die Austria sehr wichtig beim Stadionbau. So wird das Regenwasser in Zisternen gespeichert und für die Rasenbewässerung verwendet. Auf der Nordtribüne wird eine Photovoltaikanlage befestigt, um Strom zu gewinnen und diesen dann zu verwerten. „Auch das war uns wichtig. Wir haben als einziges Stadion in Europa eine Umwelt-Zertifizierung“, sagt Kaltenbeck stolz.

Das neue Stadion bringt aber auch viele alte Erinnerungen. Erinnerungen, die den Erfolg der Veilchen widerspiegeln. Der Höhepunkt für viele war sicherlich die Meisterfeier 2013 im heimischen Stadion. Bereits vor der Saison kündigte das Trainerduo Peter Stöger und Manfred Schmid einen Traum an. Sie wollten mit ihren Veilchen einmal einen Meistertitel feiern. Nur ein Jahr später war dies dann auch schon Wirklichkeit – sogar noch mit österreichischem Punkterekord. Aber auch das Champions-Qualifikation-Rückspiel gegen Dinamo Zagreb werden viele Austria-Fans noch in Erinnerung haben.

Nach dem 2:0 beim Auswärtsspiel und der 1:0-Führung der Violetten stand die Türe zur Eliteliga schon weit offen. Dann passierte aber das Unglück und die Austria lag unter Trainer Nenad Bjelica plötzlich mit 1:3 im Rückstand. Das Aus stand kurz bevor. Ausgerechnet der Ex-Rapidler Roman Kienast ließ die Fans dann noch einmal jubeln. Er sorgte kurz vor dem Ende des Spiels für ein 2:3 und ebnete so den Weg in die Champions League. Noch heute spricht man von seinem 15-Millionen-Euro-Tor. „Es gibt viele sehr schöne Momente. 2003 der Meistertitel mit Christoph Daum oder auch 2006 mit Schinkels und Stöger. An solche Sachen erinnert man sich immer gerne“, so Kaltenbeck.

Prohaska-Rückkehr und Polster-Tor

Emotional ging es bei der Rückkehr von Jahrhundertfußballer Herbert Prohaska und der 100-Jahr-Feier 2011 gegen ein Allstar-Team von Luís Figo zu. Damals liefen noch einmal Andreas Ogris, Robert Sara, Toni Polster und Herbert Prohaska für die Austria auf. „Dazu gibt es auch eine lustige Geschichte zu erzählen: Toni Polster hat damals nämlich zu Schiedsrichter Harald Lechner gesagt, er darf nicht abpfeifen, bevor er nicht sein Tor geschossen hat“, lacht Kaltenbeck. Schiri Lechner war gehorsam und pfiff erst nach knapp 100 Minuten ab – natürlich erst nach einem Polster-Tor!

Aber auch im neuen Stadion – in der Generali-Arena – wird es viele schöne Momente und wundervolle Spieler der Wiener Austria geben. Vielleicht bringt ja der letzte ­Meistertrainer Peter Stöger mit Borussia Dortmund ein gutes Karma mit und verhilft den Veilchen mit seiner Anwesenheit zum nächsten Meistertitel 2019. Eines ist aber garantiert, auch wenn die Austria in diesem Jahr vielleicht nicht den Sprung in einen internationalen Bewerb schafft: Die Eröffnungsfeier wird unvergesslich werden – ein Feiertag für die ganze Austria-Familie.

Generali-Arena Neu

  • Baubeginn: Juni 2016
  • Eröffnung: 13. Juli 2018
  • Kapazität: 17.500 Zuschauer (international: 15.000 Zuschauer)
  • Nordtribüne: 4.100 Zuschauer, 28 VIP-Logen, 4 Sky-Lounges, 2 Ehrenlogen, zweistöckige Garage
  • Südtribüne: 2.750 Zuschauer, 10 VIP-Logen, 2 TV-Studios, Pressebereiche, Mannschaftskabinen
  • Westtribüne: 5.600 Zuschauer, 3 Eventbereiche, 3 Pausenbereiche, Gästebereich
  • Ost-Tribüne: 4.130 Zuschauer, Fanshop, Museum, Restaurant
  • Ecke-Nord/Ost: 920 Zuschauer

TEXT: Marco Cornelius, FOTO: Manuel Ortlechner

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