100 Niederlassungen in 14 Ländern mit etwa 30.000 Beschäftigten: Helena Rubinstein (1870–1965) war so etwas wie die Pionierin des weiblichen Unternehmertums. Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien widmet sich noch bis 6. Mai 2018 einer Ikone der Kosmetikindustrie.

Mit 16 Jahren kehrte Helena Rubinstein den engen, kleinbürgerlichen Verhältnissen ihrer jüdisch-orthodoxen Familie in Krakau den Rücken, zunächst Richtung Wien, dann nach Australien. Dort begründete sie ohne jegliche Hilfe ein Weltimperium, das den Weg für viele andere, zum Großteil ebenfalls jüdische Unternehmer auf dem neuen Gebiet der Kosmetik, ebnete. Die aktuelle Ausstellung im Jüdischen Museum Wien zeichnet den Weg Rubinsteins als Migrantin, die Kontinente überwindet und Konventionen aufbricht, nach und rückt ihr Engagement für die Selbstbestimmung von Frauen in den Mittelpunkt.

Die Powerfrau und ihre Idee

In einer großteils männerdominierten Welt ein Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu führen, war Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts nicht gang und gäbe. Zu einer Zeit, als auch Schönheitspflege noch kein Thema und Schminke verpönt war, setzte sich Rubinstein mit ihrer Idee durch, dass jede Frau ihre individuelle Schönheit entdecken könnte und daraus das Beste machen sollte. Leidenschaft, Zähigkeit, Hartnäckigkeit, Verantwortung tragen gepaart mit einem außergewöhnlichen Geschmack und einem Talent, den ­Zeitgeist zu erfassen – das sind die ­wesentlichen Merkmale, die Helena Rubinstein zur ersten Selfmade-Frau der Geschichte machten.

Herausragende Kreativität

Helena Rubinstein

Kuratorin Iris Meder verrät, was die Besucher erwartet: „Die Ausstellung befasst sich mit der Person Helena Rubinstein unter verschiedenen Aspekten ihres Lebens, von Architektur, Werbung und Produktdesign über die Konkurrenz mit Elizabeth Arden und Charles Revson bis hin zu ihrem philanthropischen Engagement und auch dem Antisemitismus, der ihr immer wieder begegnete. Ein Schwerpunkt liegt natürlich auf ihren vielfältigen Bezügen zu Wien.“ Denn die Expansion von Helena Rubinsteins Schönheitssalons machte auch vor Wien nicht halt. 1932 eröffnete sie ­einen Salon am Kohlmarkt.

Eigenwillig und unkonventionell schuf sie sich ihr eigenes Image. Sie gab ein Vermögen für Kunstwerke, für Immobilien und deren Einrichtung aus. Für die Architektur und Gestaltung ihrer Schönheitssalons, Institute, aber auch ihrer Wohnungen engagierte sie die interessantesten und innovativsten Architekten ihrer Zeit. Pionierarbeit leistete sie auch beim Design, bei der Verpackung ihrer Kosmetikprodukte und in der Werbung. Am 1. April 1965 starb Rubinstein mit 94 Jahren. Sie wurde in ihrem Lieblingskleid von Yves Saint Laurent begraben.

Schwerpunkte 2018

Neben der aktuellen Ausstellung – die laut Direktorin Danielle Spera bereits rund 11.000 Besucher gesehen haben – hat das Jüdische Museum Wien noch weitere Höhepunkte im heurigen Jahr zu bieten: Ab 11. April porträtiert die Ausstellung „Teddy Kollek. Der Wiener Bürgermeister von Jerusalem“ den Lebensweg des ­legendären Politikers, der in Wien aufwuchs und 1935 seine Heimatstadt in Richtung Palästina verließ. Mit der Ausstellung „Verfolgt – verlobt – verheiratet. Scheinehen ins Exil“ wird an das Gedenkjahr 1938 angeknüpft. Ab 30. Mai läuft außerdem „The Place to Be. Salons als Orte der Emanzipation“.

Direktorin Danielle Spera zog übrigens eine positive Bilanz über das Jahr 2017: „Ganz besonders freut mich, dass beide Museumsstandorte, Museum Dorotheergasse/Palais Eskeles und Museum Judenplatz, einen Besucherrekord verzeichnen konnten. Insgesamt besuchten uns 130.000 Interessierte.“

Jüdisches Museum Wien

Dorotheergasse 11 & Judenplatz 8
1010 Wien
Telefon 01/535 04 31
www.jmw.at

TEXT: Michael Krause, FOTOS: wulz.cc, Archiv/Archives Helena Rubinstein, Paris

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