Mehrfach ausgezeichnet, eilt die 31-jährige Salzburgerin Verena Altenberger von Preis zu Preis. Die fabelhafte Schauspielerin über Karriere, Feiertage, ihre Rolle in der Serienadaption des Kultfilms „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, Stilfragen und Selfies mit Bela B.

Wir lieben Verena Altenberger. Damit sind wir fix nicht die Einzigen. So geht es nämlich allen, die sie als drogensüchtige junge Mutter im ganz untypisch fröhlichen Drama „Die beste aller Welten“ von Adrian Goiginger gesehen haben, der darin seine eigene Jugend erzählt, fern von Klischees und Hau-drauf-Moral. Mehr oder weniger gleichzeitig kam für die gebürtige Pongauerin der ­Serienerfolg mit „Magda macht das schon!“ als polnische Krankenpflegerin mit Schmäh und überbordendem Stil.

Welcher Erfolg war für sie selbst wichtiger, karrieretechnisch, wahrnehmungstechnisch? „Ich denke, beides. In ‚Magda macht das schon‘ durfte ich zeigen, dass ich lustig sein und Quote bringen kann, in ‚Die beste aller Welten‘, dass ich auch das andere Spektrum der Skala beherrsche, das Drama, das Kino. Und dass ich Mut zur Hässlichkeit habe. Mich persönlich freut der Erfolg von ‚Die beste aller Welten‘ wahnsinnig, weil es genau solche Filme sind, die ich machen möchte. Gehaltvolle Geschichten, die sehr genau hinsehen, auch dahin, wo es weh tut – Dramen, die aber auch Hoffnung geben.“

Wer arbeiten kann, muss auch feiern

Beide großen Erfolge lassen fast vergessen, dass sie nicht von ungefähr kamen. Die studierte Publizistin war bereits davor Mitglied des „Junge- Burg-Ensembles“ am Burgtheater und hatte in „Mission: Impossible – Rogue Nation“ einen Miniauftritt. Viel Zeit fürs Weihnachtenfeiern bleibt der jungen Frau vor lauter Aufträgen derzeit tatsächlich nicht: Gerade abgedreht hat sie Ferdinand von Schirachs „Schuld III – Der Freund“ mit Moritz Bleibtreu, in Arbeit ist außerdem ein deutscher Kinofilm. Zudem wurde die Salzburgerin beim Münchner Ableger der erfolgreichen Krimireihe „Polizeiruf 110“ zur Nachfolgerin von Matthias Brandt ernannt. Sie gibt die Hauptkommissarin Elisabeth Eyckhoff.
Wenn sie es an Feiertagen oder in Drehpausen nach Hause schafft, „was leider aus beruflichen Gründen nicht immer der Fall ist, dann genieße ich die Zeit mit meiner Familie in vollen Zügen. Dann wird viel gegessen, guter Wein getrunken, dann werden alle Tanten und Cousinen besucht. Das ist mir wahnsinnig wichtig und gibt mir viel Kraft und Ausgleich zu meinem Beruf“, so Altenberger.

Verena Altenberger als Magda © ORF/RTL/Gordon Mühle

Zutiefst menschlich

Ausführlich unterhalten haben wir uns mit Verena Altenberger über ihre Rolle in David Schalkos Adaption von „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Bereits am 17., 20. und 22. Februar ist die topbesetzte, von ORF, TV NOW und Superfilm koproduzierte Serie jeweils in Doppelfolgen (um 20.15 und 21.00 bzw. 21.05 Uhr) auf ORF eins zu sehen. Altenberger spielt die Mutter von Elsie, dem ersten einer Reihe von vermissten Kindern. „Eines der Hauptmotive der Serie und speziell meiner Figur ist, wer gut und wer böse ist. Elsies Mutter ist nicht nur die arme Frau, die ihr Kind vermisst, sondern da steckt noch sehr viel mehr dahinter, eine sehr dunkle Seite. Das muss kein Kindheitstrauma sein, das kann ein Kindheitstrauma sein, aber das kann auch einfach ein Sich-verlassen-Fühlen in der Kindheit sein. Es ist ja immer jedem das eigene Drama am nächsten. Man darf das nicht abwägen gegeneinander, im Sinne von wem ist was Schlimmeres passiert.“ Altenberger setzt das in Beziehung zu „Die beste aller Welten“: „Diesem Kind ist viel passiert in seiner Kindheit und es ist völlig unbeschadet da rausgegangen. Jetzt hat der Adrian eine Spritzenphobie und ansonsten geht es ihm total gut und er hat eine glückliche Familie. Es ist also jede Kinderseele anders.“

Den Originalfilm hat Altenberger dank „einer echt guten Deutschlehrerin“ schon in der Schule gesehen. Was ist so aktuell an der Story um einen Kindsmörder und Selbstjustiz? „Es passt recht gut in das heutige Österreich, ich habe das Gefühl, zurzeit werden auch immer irgendwelche Randgruppen gesucht, die möglichst bitte die Schuldigen sind. Erst sind’s die Flüchtlinge, dann sind’s vielleicht die alleinerziehenden Frauen und dann sind’s doch vielleicht die Arbeitslosen. Hauptsache, man ist hoffentlich nicht selber in der betroffenen Gruppe. Aber ich könnte echt nicht den Finger auf die eine Moral von der Geschichte ­legen, weil wirklich sehr viel drinnen steckt. Aber die Schuldfrage ist schon sehr spannend, diese gegenseitigen Beschuldigungen, den Schuldigen suchen, aber vielleicht ist der Schuldige vielleicht noch nicht mal der Schuldigste von allen. Weil es natürlich sehr unangenehm ist, zu sagen, ich trage meinen Teil der Schuld. Diese Abwehr ist ein zutiefst menschliches Verhalten. Aber es macht uns eben zivilisierter, wenn wir darüber reflektieren können.

Szenenfoto aus „Die beste aller Welten“ © Heimrath/Sprinz-RitzlFilm

Eine Nacht mit Bela B.

Die Star-Dichte von „M“ ist gewaltig: Moritz Bleibtreu, Brigitte Hobmeier, Sophie Rois, Julia Stemberger und Lars Eidinger waren mit an Bord, da war auch Altenberger am Set beeindruckt. Am meisten beneiden sie ihre Freunde allerdings fix um eine ihrer Lieblingsdrehnächte mit „Die Ärzte“-Drummer Bela B. Autogramme hat sie keine nach Hause gebracht, „aber ich wollte auch gar nicht fragen. Es war schon schwer genug, zu fragen, ob ich ein Selfie krieg“. Eine ganze Nacht lang drehten sie gemeinsam auf einem Floß auf der Donau, Bela B. spielt „den bleichen Mann“, der angeblich die verschwundenen ­Kinder finden kann. „Bela hat den Bootsführerschein, deswegen durften wir das ohne zusätzlichen Mann an Bord machen. Mega-Luxus.“

Siebensprachig

Wie geht es Verena Altenberger eigentlich damit, sich selbst im Fernsehen zu sehen? „Was mich da meistens rettet: Ab dem Moment, wo meine Arbeit fertig ist, vergeht ja meistens ein Jahr, das sind enorme Zeiträume, in denen man ganz viel anderes gemacht hat, dann kann ich da – Gott sei Dank – immer mit einer sehr großen Distanz, mit einem verzeihenden oder mit einem liebenden Auge draufschauen.“ Was auch nicht alle wissen: Verena Altenberger spricht zwar kein Polnisch wie ihre Serienrolle Magda – ihre Kenntnisse reichen allenfalls dafür aus, Gesprächsfetzen vom Nebentisch zu verstehen –, dafür aber neben Deutsch Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Jiddisch und ­Türkisch. Die Türkischkenntnisse haben sich verbessert, „mittlerweile kann ich meiner Schwiegermutter einen Kaffee anbieten, aber ich möchte mich auch fundiert mit ihr unterhalten können. Es ist eine sehr schöne, aber komplizierte Sprache.“

Verena Altenberger als Magda © ORF/RTL/Gordon Mühle

Alte Pullis und rote Teppiche

Wie wichtig ist Stil für Altenberger? Ist sie eher Typ große Robe oder Jeans und Sneaker? „Privat bin ich ganz klar Team Jogginghose/Sneaker. Weil ich in meinem Beruf oft alle möglichen Arten von Outfits tragen darf – große Robe, historisches Kleid oder sexy Jumpsuit –, lege ich privat vor allem Wert auf Bequemlichkeit. Wenn es aber auf den roten Teppich geht, denke ich sehr genau über ­meinen Look nach – was will ich ­ausdrücken, wie will ich mich an diesem Abend fühlen? All das beeinflusst meine Kleiderwahl.“ Nach Drehs sind Schauspieler oft die Ersten, die Kleidung vom Set behalten können. War da je was dabei? „Die beste aller Welten“ hat sich ja dafür eher nicht angeboten, aber vielleicht „Magda“? „Ha ha, ich glaube, ich würde noch eher Gewand aus ‚Die beste aller Welten‘ tragen als aus ‚Magda macht das schon‘. In der Tat waren sogar zwei Teile von Helga Wachter von mir privat: ein alter Pulli und eine alte Jogginghose, die noch ein bisschen zusätzlich runtergerockt wurden. Von Magda würde ich privat höchstens die Socken tragen. Aber ja, ich behalte immer wieder Sachen vom Set. Vor allem gut sitzende Jeans behalte ich gerne, beim Shoppen finde ich die nämlich nie.“

Foto: © Stefan Külter

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