Österreichs Bier-Szene schäumt über vor Ideen: Maroni, Kräuter und Kirschen aromatisieren neben Hopfen die Brau-Kreationen. Wo man in den Sudkessel schauen kann, lesen Sie in den Ausflugstipps zu Hopfen und Malz.

Des Bieres wegen kamen Karin und Markus Wagner vor fünf Jahren nach Niederösterreich. Genauer gesagt wurde die seit neun Generationen im Kärntner Wolfsberg beheimatete Brauerei der ­Familie Moser, der Karin Wagner entstammt, nach Thernberg übersiedelt. Die Suche nach einem neuen Standort fürs „Wolfsbräu“ endete in der Buckligen Welt, „weil das Quellwasser ideal zum Brauen war“, wie Markus Wagner erklärt.

Sein nur zart filtriertes „Kristall“ kann man auch direkt in der Brauerei genießen. Die Wagners schwören auf reine Gärkohlensäure, die für sie zum „lebendigen Lebensmittel Bier gehört“. Daher verlässt Thernberg auch nur unpasteurisierter Gerstensaft. „Die Haltbarkeit mag kürzer sein, dafür sind alle guten Inhaltsstoffe drinnen“, zieht der Wolfsbrauer einen Vergleich zu den Milchkühen der Region: „Frische Vollmilch ist ja auch was anderes als Haltbarmilch, oder“?

Was viele nicht wissen: Mit 54 Braustätten stellt Niederösterreich mittlerweile das Bier-Bundesland Nummer eins dar, knapp vor Oberösterreich (52 Brauereien zählt man dort) und deutlich vor der Steiermark (39). Das Wasser im Granitmassiv des Waldviertels hat auch hier eine traditionelle Bierkultur entstehen lassen, auch wenn Karl Theodor Trojan (Schremser) und Karl Schwarz (Zwettler) in ihren ­Familienbetrieben ein größeres Rad drehen.

Stilvolle Biere

Mit den Spezialitäten wie dem Doppelbock oder dem edlen „Saphir“ – der Name stammt vom Aromahopfen des Zwettler Pils – hat Schwarz längst auch Wiens Gastronomie ermöglicht. Im familieneigenen Hotel Schwarz Alm, das aufwendig umgebaut wurde, kann man die Biere zu Köstlichkeiten wie dem Waldviertler Karpfen genießen. Trojans Roggenbier wiederum gehört fast zur Grundausstattung der studentischen Gastronomie. Die Retro-Flasche des schwierig zu brauenden Gebräus („Roggen schmiert, sagen wir Brauer“) gab es schon, ehe die jungen Fans des sogenannten Craft Beer nach alten Stilen Ausschau hielten.

Maroni, Kräuter & Kirsche

Die beiden Waldviertler gehören auch der bundesweiten Vereinigung „Culturbauer“ an, die den malzigen Mittelstand – zwischen Großbrauereien und lokalen Anbietern – repräsentiert. Burgenländisches Mitglied hat die Vereinigung aktuell noch keines, doch die Zahl der Anwärter im „Wein-Bundesland“ steigt.

Erst heuer etwa stiegen Marilies und Markus Maurer in Güssing in das alte Handwerk ein. Ihre Kombination aus Kleinbrauerei und Craft Beer Shop, die der Einfachheit halber „Biergeschäft“ heißt, sorgt im Südburgenland für Aufsehen. Denn die Maurers haben etwas gegen die „Massen-Bierhaltung“, wie sie es nennen.

Länger aktiv sind die Golser Brauer, die mit der Marke „Pannonia“ gestartet sind, nun aber keck die Herkunft in der größten Weinbaugemeinde herausstellen. Besonderen Stellenwert genießen bei Brauer Markus Sautner regionale Zutaten. Praktisch zu allen Genussregionen des Burgenlands hat der Brauer ein Rezept komponiert. Zum bekanntesten dieser Biere, dem „Kästensud“ mit mittelburgenländischen Maroni in der Würze, kommt das Weißbier mit Dinkel („Golser Dinkel-Weisse“). Das Pale Ale mit dem lustigen Namen „Griazeich“ verdankt seinen Namen – und den würzigen Geschmack – wiederum südburgenländischen Kräutern. Und natürlich darf auch die Leithaberger Kirsche nicht fehlen, sie aromatisiert den „Radler“ aus Gols.

Biervielfalt für daheim

Mit den Kleinbrauern wuchs auch die Zahl der Spezialgeschäfte für die Kreativbiere. Hier einige Tipps aus allen Teilen der schau-Region.

Burgenland

Der Newcomer im Südburgenland -kombiniert Brauen und Bierverkauf. Marielies und Markus Maurer teilen ihre Leidenschaft und servieren neben den drei eigenen Kreationen (z. B.: „Tschantschen-Stout“) 180 Biere aus aller Welt.

Biergschäft
Hauptstraße 34
7540 Güssing
Tel.: 0664/151 98 08
► www.biergschaeft.at

Clemens Kainradl, im Vorjahr Biersommelier-Staatsmeister, importiert internationale Spezialitäten, führt aber auch Heimisches wie die „Waldbiere“ oder „Rotglut“ aus der Mostviertler -„Bierschmiede“ in seinem Geschäft bei Eisenstadt (gegen Voranmeldung!).

Bierfracht
Kleinhöfleiner Hauptstr. 34
7000 Eisenstadt
Tel.: 02682/216 72
► www.bierfracht.at

Niederösterreich

Wolfgang Leinweber ist der Anstaltsleiter. In seinem kleinen Geschäft gibt es stets wechselnde Fassbiere, dazu Flaschen z. B. von „Next Level“ und „Brew Age“ (Wien) und Lokales von „Burgbräu“ oder „Schwarz Bräu“ aus Krumbach.

Anstalt für Getränke 42
Brodtischgasse 21

2700 Wiener Neustadt
Tel.: 0676/421 03 42
► www.afg42.at

Wien

Vor Ort konsumieren – mit köstlicher „Unterlage“ dazu – oder nach Hause mitnehmen: Bei Christian Müllner ist beides möglich. 50 Flaschenbiere ermöglichen genug Auswahl.

Fassdippler
Johann-Strauß-Gasse 42
1040 Wien
Tel.: 01/890 15 93
► www.fassldippler.at

In einer eigenen Liga spielen die „Beerlovers“. Neben der gewaltigen -Auswahl an Flaschenbieren und Gezapftem zum Mitnehmen (in Pfandflaschen) finden Hobby-Brauer auf 420 m2 auch Hefe und Malz, Bücher und T-Shirts.

Beerlovers
Gumpendorfer Straße 35

1060 Wien
Tel.: 01/581 05 13
► www.beerlovers.at

Auf den Brauer schauen

Nicht alle Biererzeuger haben auch eine eigene Brauanlage, sogenannte Kuckucksbrauer mieten sich bei anderen ein. Vor Ort erleben lässt sich die Welt von Hopfen und Malz aber bei diesen Adressen – eine telefonische Voranmeldung ist immer anzuraten.

Burgenland

Brauerei-Besichtigungen mit Verkostung (8,90 Euro/Teilnehmer) bietet man in Gols in drei Varianten – abhängig von der Zahl der Kostproben – an.

Privatbrauerei Gols (FOTO)
Brauhausplatz 1

7122 Gols
Tel.: 02173/27 19
► www.golserbier.at

Niederösterreich

In der Waldviertler Privatbrauerei sind Führungen die ganze Woche über möglich, die Kosten betragen von Montag bis Freitag 5 Euro, an Samstagen und Feiertagen 6 Euro pro Person.

Bierbrauerei Schrems
Niederschremserstraße 1

3943 Schrems
Tel.: 02853/77 27 50
► www.schremser.at

Bierbrauseminar am Bahnhof, so lautet Wolfgang Stix’ Angebot, das Biererzeugung und Brauablauf vor Ort erklärt. Abgeschlossen wird das fünfstündige Seminar (69 Euro/Person) mit Verleihung einer Urkunde, Stelzen-Essen und natürlich Bier.

Bahnhofsbräu
Bahnhofsplatz 1

3200 Ober-Grafendorf
Tel.: 02747/3250605
► www.bahnhofsbräu.com

Gerald Schwarz führt Samstag (10 und 14 Uhr) und Sonntag (14 Uhr) durch seine neue Braustätte im Wechselgebiet. Zwei Kostproben, z. B. vom belgischen Strong Ale, sind in den 9,50 Euro inbegriffen.

Schwarzbräu
Bundesstraße 100

2851 Krumbach
Tel.: 0664/88 5509 74
► www.schwarzbraeu.at

Das Brauhaus Anno 1890 samt Einführung in die Welt des Brauens (und dem Zwettler Hopfenanbau) gibt es nach Anmeldung um 9,80 Euro zu erleben. Zwei Seiterl Zwettler Bier und ein Braumalz-Weckerl sind inkludiert.

Karl Schwarz GmbH
Syrnauer Straße 22–25
3910 Zwettl
Tel.: 02822/500-10
► www.zwettler.at

Wien

Die Verkostung der vier „Hausmarken“ stehen am Ende der Führung durch die beiden Etagen des „Brauwerks“ in Ottakring (15 Euro pro Person). Achtung, Mindestteilnehmerzahl sind zehn Personen.

Brauwerk
Ottakringer Platz 1

1160 Wien
Tel.: 01/491 00-5480
► www.brauwerk.wien

TEXT: Roland Graf, FOTO: helmreichfotografiert/Evi Huber & Franz Helmreich

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