Monatelang rätselte meine Nachbarin über Häufchen kleiner grauer Wollbällchen, die sich im Laufe der Woche auf ihrer Gartentreppe unterhalb eines kleinen Dachvorsprungs immer wieder ansammelten, bis ihr eines Tages ihr kleiner Neffe Joachim erklärte, dass da oben unter dem Dachvorsprung ein Kauz zu Hause sein müsse und die „Wollbällchen“ die Reste seiner Mahlzeiten seien. Denn Käuze seien nachtaktiv und jagten Mäuse, von denen sie sich leidenschaftlich gern ernährten.

Und das sogenannte Gewölle sei der unverdauliche Rest der ­Leckerbissen, den die Vögel, nachdem sie ihre Beute mit Haut und Haaren verschlungen hätten, wieder heraufwürgten. Ungläubig legten wir uns dann an einem lauen Sommerabend auf die Lauer. Und siehe da: Lautlos flog ein Waldkauz aus dem Mauervorsprung und zog geschickt elegant anmutende Kreise rund um die Bäume unserer Gärten – vermutlich auf der Suche nach der nächsten Maus. Wir hatten tatsächlich einen Kauz.

Freundliches Gschau

Mit seinem kompakten Körperbau, dem gekrümmten gelblichen Schnabel, dem runden Köpfchen und dem beigebraun gefärbten Gesichtsschleier ist er leicht zu erkennen. Seine Bewegungen erinnern an jene von Graupapageien. Und so wirkt er tatsächlich wie ein „lustiger Kauz“. Das freundliche Aussehen verdankt er seinen großen runden Knopf­augen sowie den zwei hellen Querstrichen oberhalb der Gesichts­umrandung. Furchteinflößend ist hingegen sein Ruf. Mit dem typischen „Huu-Hu-Huhuhuhuuu“ des Waldkauzes wird daher gerne für Gruselstimmung gesorgt.

Positivbeispiel der Eulenfamilie

Der Waldkauz, der jetzt zum Vogel des Jahres 2017 gewählt wurde, gilt als Botschafter nahrungsreicher Wälder und ist die häufigste Eulenart Österreichs. Mit 12.000–20.000 Waldkauz-Brutpaaren ist sein Bestand in Österreich, im Gegensatz zu dem anderer Eulenvögel, als langfristig sehr stabil einzuschätzen. Das hat sicher auch mit seiner Anpassungsfähigkeit zu tun, denn er ist nicht nur im Wald zu Hause.

Findet er keine geeigneten Baumhöhlen, nistet er auch in Winkeln von ­Gebäuden und Scheunen oder auch in Nistkästen. Der Waldkauz ist ­deshalb auch in Städten zu Gast und freut sich ebenfalls über alte Baumbestände auf Friedhöfen. Seine nächtlichen Rufe verleihen den Nächten an diesen Orten mystische Stimmung. Tagsüber versteckt sich der Waldkauz in dicht wüchsigen Gebüschen, Baumkronen oder -höhlen, bis er kurz nach Sonnen­untergang auf Nahrungssuche geht.

Vogelschutz-Inseln für gefährdete Waldeulen

Mit seiner großen Anpassungsfähigkeit ist der Waldkauz die Ausnahme unter den Eulenarten. Deshalb hat BirdLife gemeinsam mit den Österreichischen Bundesforsten eine Projektkooperation gestartet, um 484 Waldgebiete als Biodiversitätsinseln auszuweisen und von der forstwirtschaftlichen Nutzung auszusparen. Dabei werden große, alte Baum­bestände und ausreichend abgestorbenes Holz für sämtliche Waldvogel­arten gesichert. „Sperlingskauz, Raufußkauz und Waldkauz bauen selbst keine Nester, da sie als Höhlenbrüter auf passende Brutmöglichkeiten angewiesen sind.

Deshalb brauchen sie heutzutage gezielte Schutzmaßnahmen“, so Mag. Gábor Wichmann, Ornithologe und stellvertretender Geschäftsführer der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich. Somit wird bis 2020 ein Netz aus Vogelschutzinseln geschaffen, die das langfristige Überleben gefährdeter Waldvogelarten nachhaltig sichern sollen. Baumhöhlen sind nämlich nicht nur für die Jungenaufzucht wichtig, sondern gelten darüber hinaus auch als Versteckmöglichkeit und Futterdepot für schwere Zeiten.

Dem Waldkauz ganz nah

Wer keinen Waldkauz in der -Nachbarschaft hat, aber gerne -einen -sehen und mehr über diese interessanten Vögel erfahren will, der hat zum Beispiel im Naturpark Buchenberg Gelegenheit dazu. Gleich bei Waidhofen an der Ybbs, im Mostviertel und im Kulturpark -Eisenstraße, liegt der Naturpark Buchenberg mitten in einem Mischwald. Im Wildpark begegnet man Hirschen, Rehen, Iltissen, Mardern, Waldschafen, Siebenschläfern und Füchsen.

Seinen Schwerpunkt legt der Park auf -Eulen, darum ist auch das Maskottchen des Parks der Waldkauz -namens Ossi. In „Waldkauz Ossi’s Erlebniswald“, -einer in Mittel-europa einzigartigen Uhu-Anlage, lebt er gemeinsam mit seiner -Familie, den anderen Verwandten wie Steinkauz und Waldohreule und seinen wilden Freunden, den anderen Tieren des Waldes.

www.tierpark.at

TEXT: Hedi Mathias, FOTO: Rosl-Rössner

Das könnte Sie auch interessieren

Circus Roncalli: Zirkus-Geschichten Unter dem Motto „Storyteller: Gestern – Heute – Morgen“ gastiert der Circus Roncalli aktuell in Wien. 80 historische Wagen, historische Foodtrucks...
Die besten Weine der Thermenregion Am 22. Oktober gastiert die Eventreihe „wine affairs“ wieder in Wien und zwar im Hotel Hilton Stadtpark. Dabei werden die besten Weine der Thermenregi...
Ausstellung: Erwin Moser in Eisenstadt Er zählt zu den großen Namen der deutschsprachigen Kinderliteratur: Erwin Moser. Am 14. September startet eine Ausstellung über Moser im Projektraum B...
Ab nach Bratislava! Was könnte im Spätsommer schöner sein als ein Besuch in Bratislava. Mit dem Twin City Liner ist man in Windeseile dort. Wir haben Tipps für Sie! Stel...
Share This