Für schau testet Alex Kristan „Garagengold“, ab sofort tanzt der bekannte Stimmenimitator in seinem funkelnagelneuen Kabarett-programm „Lebhaft“ aus der Reihe – seine Alter Egos und Lieblingsparodie-Stimmen nimmt er dabei mit. Es gilt die Frohmutsverschuldung.

schau: Im neuen Programm geht es auch um Lebensweisheiten. Gibt es einen völlig überstrapazierten Sinnspruch, der für dich trotzdem immer noch stimmt?
Alex Kristan: Ja. Mein Lieblingszitat ist „An irgendeinem Tag, müssen wir alle sterben, aber an allen anderen nicht“. Darin findet sich der wahrscheinlich platteste Sinnspruch „Carpe Diem „auch wieder. Aber es stimmt. Die Dinge, die Menschen am Sterbebett am meisten bereuen, sind die Dinge, die sie NICHT gemacht haben. Das Leben ist keine Generalprobe. Die beste Zeit ist immer hier und jetzt.

In dem Zusammenhang: Was bedeutet Glück für dich?
Glück bedeutet für mich, in einem Land wie Österreich geboren worden zu sein. Glück bedeutet für mich, gesund sein zu dürfen. Glück bedeutet für mich, meine Tochter lachen zu -sehen und in einem Umfeld zu leben, das von wertvollen Freundschaften und familiärer Liebe geprägt ist.

Was sagen die eigenen Eltern eigentlich, wenn man hauptberuflich Stimmenimitator und Kabarettist bzw. „Parodist“ werden will?
Da gab es anfangs natürlich eine gewisse Skepsis, denn von seiner Kunst leben zu können, ist eher die Ausnahme und ich habe ja viele verschiedene Jobs gemacht – vom Croupier bis zum Formel-1-Reporter – bis ich zu meiner wahren Bestimmung gefunden habe. Mittlerweile sind sie sehr stolz auf mich.

Was war dein frühester Berufswunsch? Rennfahrer?
Richtig! Ayrton Senna war in den 80er-Jahren mein absolutes Idol. Ich habe alle Bücher über ihn gelesen und jede Doku gesehen. Abgesehen von seinen sportlichen Leistungen ist er auch was sein ganzes Wesen betrifft bis heute eine faszinierende wie auch inspirierende Persönlichkeit für mich.

Hast du mit deiner Fähigkeit, Leute nachzumachen, schon als Jugendlicher Unfug angestellt?
Absolut. Man könnte sagen, ich war der Prototyp einer klassischen Rotzpippen. Wichtig war immer nur, es darf niemand zu Schaden kommen. Aber wir waren damals schon ein sehr kreatives Grüppchen, was Unfug und angewandten Wahnsinn angeht. Ich darf gar nicht ins Detail gehen, weil ich nicht sicher bin, ob das eh schon alles verjährt ist.

Was sagt eigentlich Niki Lauda zu deinen Parodien?
Niki Lauda findet seine Parodie nach eigenen Angaben „unglaublich gut“ und hat richtig Spaß damit. Er war sogar Gast bei der Premiere meines Programms „Heimvorteil“ und hat mich vergangenes Jahr beim Grand Prix von Spielberg in die Mercedes-Box eingeladen. Welche Reichweite meine Facebook-Filmchen haben, ist mir bewusst geworden, als mich Nico Rosberg mit „Servus, ich bin der Rotzberg“ begrüßt hat.

Muss man die Leute nicht immer auch ein wenig mögen, um sie gut parodieren zu können?
Es muss in jedem Fall ein Grundinteresse für die Person vorhanden sein. Für die Erarbeitung einer Parodie sind viele Stunden an Sichtung von Bild- und Tonmaterial nötig. Ich lese auch oft die Biografien dieser Persönlichkeiten, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie dieser Mensch, abseits von dem, was ohnehin für jeden sichtbar ist, wirklich tickt. Für mich ist eine Parodie mehr als nur eine Stimme nachzuäffen. Erst wenn ich das Wesen des jeweiligen Menschen verstanden habe, kann ich das auch in die Mimik und Gestik einfließen lassen. Nur so entsteht ein in sich stimmiges Gesamtbild.

Man sagt ja immer, das zweite Programm, der zweite Roman, das zweite Album ist am schwersten. Wie ist das mit dem vierten Programm? Bist du „angekommen“ oder gibt es immer noch Dinge, die dich nervös machen?
Ich weiß für mich persönlich, dass ich dort angekommen bin, wo ich sein möchte. Nämlich an jenem Punkt, an dem ich mir nicht mehr die Frage stellen muss, ob ich das, was ich tue, auch am liebsten tun möchte. Die Erkenntnis ist schon mal sehr wertvoll. Aber ansonsten denke ich, dass man als Künstler nie wirklich angekommen ist, weil es ja ein elementarer Bestandteil des Berufs des Humoristen ist, neugierig zu bleiben und sich immer wieder die Frage zu stellen, aus welchem Blickwinkel man vermeintliche Alltagsbanalitäten betrachten muss, dass Komik entstehen kann.

Hast du einmal öffentlich gesagt, „was du dir wirklich denkst“ und dir damit Probleme eingehandelt? So als Rotzpippen und Aus-der-Reihe-Tänzer?
Ich sage in jedem meiner Programme, was ich mir wirklich denke. Nur eben verpackt in einer aberwitzigen und auch fiktiven Geschichte oder mit dem Mascherl -einer Pointe. Aber im Wort Unterhaltung steckt ja auch das Wort „Haltung“ und das Publikum hat ja mit dem Kauf der Eintrittskarte auch das Recht und die Erwartung zu hören, welche Meinungen ich zu diesem oder jenem Thema habe. Seine eigene kennt es ja schon. Und ob ich mir damit Probleme einhandle, wage ich insofern zu bezweifeln, als dass in der Ausübung meiner Tätigkeit als Komiker die unterste Schublade immer zu bleiben wird und ich kein Interesse an untergriffigem Humor habe. Jemanden, der nicht dabei ist, auf einer -öffentlichen Bühne verbal abzu-watschen, nur weil ich das theoretisch könnte, ist mir zu billig. Ich ziehe Leute lieber durch den Kakao als durch den Dreck.

Du bist als Parodist und Imitator bekannt: Inwieweit bleibt in deinen Programmen Raum für dich selbst? Nach welchen Kriterien beschließt du, was du deine Protagonisten sagen lässt?
Die Parodien sind natürlich in jedem meiner Programme ein fixer Bestandteil. Ich würde das Verhältnis bei 30/70 sehen. Also die Gewichtung in den Stücken sehe ich schon deutlich bei mir als Person des Comedians oder etwaigen Kunst-figuren, die ich spiele. Was ich die Protagonisten sagen lasse, ergibt sich aus der Handlung des Stücks: Je absurder, desto lieber. Komik entsteht nicht zuletzt dadurch, dass man Erwartungshaltungen bricht und gelernte Abläufe und Verhaltensmuster über den Haufen wirft. Dann wird’s lebhaft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Multi-Talent

Aktuell tourt Alex Kristan als Comedian mit seinem aktuellen Soloprogramm LEBHAFT durch ganz Österreich. Für das schau-Magazin testet er regelmäßig Oldtimer-Fahrzeuge in der Rubrik „garagengold“.

INTERVIEW: Julia Pühringer, FOTO: Michael Rausch-Schott

Infos und Termine auf: www.alexkristan.at

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