Privat bei Putz: „Mama Putz“ Cécile Nordegg und „Papa Putz“ Hubert Wolf im Gespräch über Nordeggs neues Album, über Lieblingsmöbel, den perfekten Christbaum, die Rolling Stones, Frank Zappa und was sonst noch glücklich macht.

schau besucht Schauspielerin und Sängerin Cécile Nordegg in ihrem höchst stilsicheren Loft im neunten Bezirk. Ein weißes Piano, ein Boxsack hängt von der Decke, Boden und Wände erstrahlen in Weiß, das letzte Licht des Novembers verweilt ein bisschen länger hier, könnte man meinen. Eine Wand mit Büchern, Musik, eine Jukebox, ausgesuchte Möbelstücke, die Luft lassen und selbst dabei besser zur Geltung kommen.

schau: Wie feierst du hier Weihnachten?
Cécile Nordegg: Das Wichtigste ist: Der Christbaum muss oben anstehen, bis sich die Spitze biegt. Das bringt Glück. In letzter Zeit lassen wir den Baum völlig nackt stehen. Das sieht so schön aus! Kugeln kann man dann immer noch hinhängen. Wir sind nicht unbedingt die Christlichsten. Das heißt, wir feiern, wenn möglich, auch noch Chanukka. Ich finde, man muss jedes Fest respektieren und feiern. Am 24. stehen die Chancen gut, dass auch die Kids da sind. Wir hole n den Baum bei der Votivkirche, er bleibt dann bis knapp nach Neujahr. Wenn er wegkommt, müssen als Trost schon die ersten Tulpen am Boden stehen.

Wie hältst du es mit Weihnachten, Hubert?
Hubert Wolf: Meine Frau kommt aus Italien, wir feiern einmal da, einmal dort in Rom. Das ist schon sehr super, auch wenn man nachher immer drei oder vier Kilo abspecken muss. E s ist ein Wahnsinn, was du da raufgefüttert kriegst (lacht).

Durch die Spots habt ihr vermutlich mehr Filmgenres ausprobiert als andere …
Nordegg: Das Grandiose für mich ist, ich habe so viel lernen können wie kaum woanders. Wir drehen nicht sehr viel. Wie wir drehen, hat eine Intensität, die du mit einem anderen Team, das sich nicht so gut kennt, nie so schaffen könntest.

Wolf: Ja, ich finde es schon ganz lustig, da würde man in einem Filmleben gar nicht so dazukommen.

Euch beide eint die Vielseitigkeit. Du, Cécile, singst, wir treffen uns ja nicht zuletzt wegen deines neuen Albums. Und Hubert Wolf ist nebenbei Kabarettist.
Nordegg: Es ist im Grunde eine Sache, die du tust. Du hast dein künstlerisches Sein, dein Handwerk. Und dann nimmst du aus deiner Farbpalette mal das Rot, mal das Blau, mal das Grün. Gerade bei unserem Metier: Du hast eine Stimme. Ob ich spreche oder singe, ist im Grunde dasselbe.

Wolf: Man hat schon Lust, wieder einmal etwas Neues auszuprobieren oder einen anderen Weg zu gehen, ein neues Feld aufzumachen. Ich hab als Schauspieler angefangen und dann gedacht, ich würde auch gern Kabarett mit Musik machen, eine Solo-Show …

Wieso singst du auf Französisch, Cécile?
Nordegg: Für mich ist das die Sprache, mit der ich am besten kann. Eine Sprache, bei der du so viele Weichheit und Härte hast, ist selten. Dadurch ist die Ausdrucksform für mich persönlich eine ganze andere. Für viele klingt es weich, aber das ist es nicht. Du hast diese ganz harten Laute drin – und dann kommt ein ­Vokal, der alles glättet. Damit fängst du eine ganz andere Emotion ein. Das fasziniert mich.

Welche Musik hört ihr selbst am liebsten?
Wolf: Die Rolling Stones begleiten mich schon mein ganzes Leben lang. Für mich gehören sie fast schon zur Familie. Ich bin durch Zufall gebrandet worden. Ich war 14 Jahre alt und es war mein erstes großes Konzert, in München 1982. Seither haben sie mich nicht mehr losgelassen. Der Keith Richards hat mich einfach umgehauen, weil er damals schon ausgeschaut hat wie der Tod persönlich. Und heute ist er besser drauf denn je. Ich habe es vorher nicht für möglich gehalten, dass man im Rock ’n’ Roll in Würde ­altern kann.

Warum Vinyl, Cécile?
Nordegg: Mario Rossori hatte die Idee. Der Unterschied im Klang ist faszinierend: Du hast einen viel größeren Live-Effekt, man hört die Gedanken. Das passiert bei einer CD nicht. Dann kommt das Haptische dazu. Du drehst die Platte um, sie lebt und spricht mit dir.

Wie sieht deine eigene Musiksammlung aus? Teils CDs, teils Vinyl? Teils doppelt?
Nordegg: Ja. Teils, teils, teils doppelt, auch viel auf iTunes, das ist auch Platzsache. Und meine Sammlung ist voll gemischt. Von Klassik bis Stones, Pink Floyd, Frank Zappa, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich durfte als Kind durch meinen großen Bruder bei seinen Proben dabei sein. Das war cool. Wobei die Burritos waren mindestens so aufregend, bei seinem Proberaum war nämlich der beste Burrito-Stand der Welt (lacht).

Cécile, du hast dich mit 17 Jahren einer französischen Schauspieltruppe angeschlossen. Haben sich deine Eltern gefreut oder sich an den Kopf gegriffen?
Nordegg: Ich komme aus einem Elternhaus, das leider auch nie etwas Anständiges gelernt hat (lacht). Mein Vater war 25 Jahre lang technischer Direktor vom Burgtheater und hat die Drehzylinder-Bühne ­erfunden. Meine Mama war dort Schauspielerin. Dort haben sie ei­nan­der kennengelernt. Sie musste dann dort weg. Damals war es so, dass du kein Verhältnis haben durftest. Das ist nicht so wie heute. Deshalb war es mir ganz wichtig, das nicht in Wien zu machen, sondern anderswo, ich wollte ganz allein herausfinden, ob ich’s kann.

Der Traum, in einem Möbelhaus zu übernachten, ist immer noch sensationell. Gibt es da dieses eine Möbelstück, das ihr immer haben wolltet?
Wolf: Ich möchte selbst einen schönen Tisch bauen. Aus massivem Altholz, das kann ruhig schon verlebt, verwildert, gebraucht sein.

Nordegg: Es gibt einen Stuhl, auf den ich unglaublich stehe, der wäre noch auf meiner Liste. Es ist eine weiße Metallschale mit schwarzem Leder drin, ein Traumteil. Wir lieben es zu wechseln. Und immer, wenn ein Stück kommt, muss eines gehen, weil sonst wird’s too much. Da freuen sich unsere Freunde meistens sehr. Eine wunderschöne rote Samtcouch ist jetzt die Lieblingscouch meines Pianisten. Das ist so wie bei Kleidern: Kleider sind im Grunde deine zweite Haut. Die wechselst du ja auch. Du bist ja nicht immer derselbe Mensch. Bei uns kann man all die Stücke, die hier in der Wohnung herumstehen, auch rollen. Das heißt, man verändert die ganze Zeit etwas. Wir sind Kinder. Man spielt gerne. Und ich wünsch mir, dass das immer so bleibt.

Das heißt: Flexibel sein bei den Möbeln, ist auch flexibel sein im Leben?
Nordegg: Das musst du. Weil du nie weißt, was morgen ist. Weder im Positiven noch im Negativen. Du kannst dich vielleicht ein bisschen vorfreuen, du kannst aber auch nicht vortrauern. Du kannst nur im Jetzt leben. Die einzige Sache, die du im Grunde wirklich tun kannst, ist, das Jetzt zu genießen. Jeder Moment, den du nicht voll gelebt hast, wird dir abgehen, wenn etwas passiert. Weil du dir diese schönen Momente nicht zu eigen gemacht hast, sie nicht gesammelt hast. Weil dann weißt du auch: Es kann so sein. Wenn du das nicht weißt, bist du wirklich ohne Netz.

Vielen Dank für das Gespräch.

Musik & Theater

Das neue Album von Cécile Nordegg aka No-Ce & Band mit Gästen nennt sich „Jazz Proclamation Vol. 1“. Sie singt überwiegend auf Französisch, u. a. legendäre Songs wie Édith Piafs „La foule“, Jacques Brels „Ne me quitte pas“, aber auch „Bobby Brown“ von Frank Zappa. Das Album ist auf Vinyl erschienen. Nächstes Jahr erscheint bereits das nächste Album mit zahl-reichen selbst geschriebenen Songs.

Infos & Konzerttermine: www.no-ce.eu

Hubert Wolf ist derzeit im Stück „Candlelight & Liebestöter“ zu sehen.

INTERVIEW: Julia Pühringer, FOTO: Stefan Fürtbauer

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