Gesellige Stimmung in einer urigen Buschenschank bei einem Glas edlem Wein inmitten einer besonderen Landschaft: So kennt man das Burgenland. Doch es ist noch viel mehr. Bis zum Herbst verwandelt es sich zur Bühne zahlreicher Festivals. 

Von den Ufern des Neusiedler Sees und den mediterranen ­Weiten im Norden über die sanften Hügel und Weinberge bis zum Auengebiet der Raab im Süden: Die Landschaft des Burgenlands regt die Kreativität an. Die Kulturszene präsentiert sich genauso vielfältig und besonders wie die Umgebung – vom Sommerfestival Kittsee im Norden bis zum Uhudler-Landestheater im Süden spannt sich der Bogen. 

Liszt Festival Raiding

Doch nicht erst heute lassen sich Künstler vom Burgenland inspirieren. Schon der Pianist und Komponist Franz Liszt wusste um die Schönheit seiner Heimat. Nicht umsonst kehrte er bis ins hohe Alter immer wieder an seinen Geburtsort Raiding zurück. Er bleibt in seiner Heimat bis heute ebenfalls unvergessen. Ihm zu Ehren findet jährlich das Liszt Festival Raiding statt. Es zeigt sich weltoffen, grenzüberschreitend und international, wie der Dirigent gewesen ist. Das Intendantenduo, die Brüder Johannes und Eduard Kutrowatz, möchte dem Publikum dieses Jahr weibliche Talente vorstellen. Von der russischen Ausnahmepianistin Anna ­Volovitch über die Amerikanerin Claire Huangci bis zur israelischen Sopranistin Chen Reiss stehen im Juni internationale Größen auf der Bühne. Johannes und Eduard Kutrowatz treten selbst mit den Supercussion Vienna auf. Im Herbst holt die italienische Pianistin Saskia ­Giorgini den Sommer zumindest musikalisch zurück. Besondere Stimmen vereinigen sich im Oktober bei Il Canto, dem Frauenchor aus Novosibirsk, zu einem einzigartigen, beinah engelhaftem Ganzen.

Festivalregion Neusiedler See 

Miteinander ist auch das Motto der Festivalregion Neusiedler See. Darin zusammengefasst sind die Seefestspiele Mörbisch, Oper im Steinbruch sowie das Herbstgold-Festival in Eisenstadt. 

Oper im Steinbruch 

Im Steinbruch feiert die Oper nach einer einjährigen Pause ihr Comeback. Klänge aus „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart werden sich aus dem Steinbruch ab 10. Juli in einer spektakulären Landschaft erheben. Eine sensationelle Produktion ist laut Künstlerischem Direktor der Oper im Hause Esterházy, Daniel Serafin, garantiert. „,Die Zauberflöte‘ ist ein Klassiker, den jeder kennt. Das macht es natürlich besonders spannend.“ Regie führt niemand Geringerer als der erfolgreiche Schauspieler Cornelius Obonya mit seiner Frau Caroline -Pienkos. Nach der „Fledermaus“ an der Mailänder Scala ist es nun neuerlich eine Regie-Duoarbeit. „Auf so einer großen Bühne zählt die große Geste, das große Bild. ,Die Zauberflöte‘ gibt alles her, was das Genre zu bieten hat: Liebe, Komödie, die großen Lacher und auch das Weinen“, erklären die beiden. Ganz in der Tradition der Oper mimt kein Opernsänger den Sympathieträger Papageno. Schon bei der Uraufführung zu Zeiten Mozarts stand kein Sänger, sondern der Textdichter Emanuel Schikaneder als Papageno auf der Bühne. Mit Max Simonischek übernimmt auch im Steinbruch ein Schauspieler die Rolle. Er sieht seinem Einsatz gewohnt humorvoll entgegen. „Vielleicht wird es eher ein Plappergeno.“ Man darf gespannt sein. 

Seefestspiele Mörbisch 

Ein Publikumsliebling feiert zur Freude der Fans bei den Seefestspielen in Mörbisch sein Comeback. In Franz Léhars Operette „Das Land des Lächelns“ steht Harald Serafin wieder auf der Bühne. Als Ober-Eunuch wird er wohl für einige Lacher sorgen. Obwohl er – nicht zuletzt aufgrund der delikaten Rolle – erst überzeugt werden musste. Schließlich wäre es, wie sein Freund Otto Schenk meinte, die beste Rolle der Operette. „Kurz, du kommst gut an und kassierst.“ Wenn das nicht überzeugend oder – mit Serafins Wort – „wunderbar“ ist. Übrigens: Die Operette von Franz Lehár mit der weltberühmten Arie „Dein ist mein ganzes Herz“ war zuletzt vor
18 Jahren auf der Seebühne Mörbisch zu erleben. Durch die riesigen Dimensionen des Bühnenbilds ist das Stück für die größte Open-Air-Seebühne der Welt geradezu prädestiniert, wie Mörbisch-Direktor Peter Edelmann sagt. Neben dem Wiener Prater, der im ersten Akt die Kulisse ziert, bewegt sich später ein riesiger Drache über die Bühne. „Für mich hat diese Operette eine besondere Tiefe, nicht zuletzt durch ihre gefühlvolle und zu Herzen gehende Musik“, meint Peter Edelmann. 

Schloss-Spiele Kobersdorf

Erheiterndes, gute Laune bei höchstem künstlerischen Niveau ist die Mischung, die auch bei den Schloss-Spielen Kobersdorf für Erfolg sorgt. Intendant Wolfgang Böck setzt im 16. Jahr seiner Intendanz auf die Nestroy-Posse „Das Mädl aus der Vorstadt“. Es ist die 48. Saison der Schloss-Spiele Kobersdorf. Zum siebenten Mal steht Johann Nestroy auf dem Programm, zum dritten Mal kommt der Biedermeier-Dramatiker bei Wolfgang Böck zum Zug. Diesmal führt Beverly Blankenship die Regie. „Einfach jeder Satz ist voller Witz und gleichzeitig eine wunderbare Sprachschöpfung!“, sagt die Regisseurin. „Nestroys ­Personen sind dicht gezeichnet und voller Überraschungen … es geht gut aus.“ Intendant Böck ist auf der Bühne ebenfalls im Einsatz. Er wird als Privatdetektiv Schnoferl die Machenschaften des Geschäftsmanns Kauz aufdecken und den Ruf der Stickerin Thekla retten wollen. Das alles geschieht vor einem einzigartigen Bühnenbildes: unter anderem ist eine überdimensionale Nähmaschine zu sehen. 

jOpera Jennersdorf Festivalsommer

An einem romantischen Schauplatz erklingt im August eine Opernrarität von Friedrich von Flotow: Auf Schloss Tabor in Neuhaus am Klausenbach wird beim jOPERA Jennersdorf Festivalsommer „Martha“ aufgeführt. Die Handlung: Lady Harriet möchte dem langweiligen Leben als Hofdame der englischen Königin entfliehen, um als Dienstmagd „Martha“ neue Abenteuer zu finden. Die Sopranistin Renate Pitscheider spielt die Hauptrolle, Regie führt Brigitte Fassbaender. Intendant Dietmar Kerschbaum rief das Festival vor mehr als 15 Jahren ins Leben. Der Erfolg gibt ihm Recht: Die Auslastungszahlen der Jopera-Aufführungen liegen weit über 90 Prozent. Na dann, auf einen erfolgreichen Festivalsommer! 

Weitere Festivals im sonnenreichen Burgenland

Foto: © Andreas Tischler