Nicht nur in Sachen Tourismus und Weinkultur hat das Burgenland in den letzten Jahren ordentlich aufhorchen lassen. Auch in der Wirtschaft mischt man immer öfter vorne mit. Solide Wachstumszahlen und ein Bekenntnis zu Forschung und Entwicklung sollen die erstaunliche Erfolgsstory auch in den nächsten Jahrzehnten fortschreiben.

Am 27. Juni 1989 blickte die Welt auf das Burgenland: An der Grenze bei Sopron/Klingenbach durchschnitten der österreichische Außenminister Alois Mock, sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn sowie der burgenländische Landeshauptmann Hans Sipötz symbolisch den Stacheldrahtzaun. Dieser Akt markierte den Fall des ­Eisernen Vorhangs und das Ende des kommunistischen Systems in den Ostblockländern.

Erstaunlicher Aufholprozess

Plötzlich stand das Burgenland im Zentrum eines neuen Europas und hat es mit klugen Strategien, viel Einsatz und Disziplin geschafft, diese Position erfolgreich für sich zu nutzen. Einst galt das, von der Einwohnerzahl her, kleinste Bundesland ­Österreichs als das Armenhaus des Landes. Heute ist aus dem Nachzügler von damals in vielen Bereichen ein Vorbild geworden. 171 selbstständige Gemeinden, die sich in neun politische Bezirke, inklusive der beiden Statuarstädte Rust und Eisenstadt, gliedern, repräsentieren eine ungeheure Vielfalt und Dynamik.

Willkommen am Neusiedler See

Im Nordburgenland dreht sich alles rund um den Neusiedler See. Die klimatischen Bedingungen an Europas zweitgrößtem Steppensee sind nicht nur für den Weinbau ideal. Auch die ­vielen Besucher schätzen das mediterrane Klima und die entspannte Lebensart, die man nicht nur bei den zahlreichen Weinbaubetrieben, sondern auch in der St. Martins Therme & Lodge erleben kann. Nach dem Birdwatching lockt hier etwa die Saunalandschaft mit Blick auf den hauseigenen See. Aber auch das Shopping-Dorado in Parndorf und große Kulturstätten, wie die Seebühne Mörbisch oder der Römersteinbruch St. Margarethen, sind wahre Publikumsmagnete.

Zu Gast im Land der Sonne

Das Mittelburgenland ist auch als Sonnenland bekannt. Die Kraft der Sonne lässt hier potente Rotweine reifen. Dabei stand lange eine Rebsorte im Mittelpunkt. Im Namen „Blaufränkisch Mittelburgenland“ findet sie sich noch heute. Ob Klettern, Radfahren, ein Ausflug in den Seilgarten oder Europas einzigartige Therme für Babys und Kleinkinder in Lutzmannsburg – das Mittelburgenland lädt ein, aktiv zu werden. Zum Ausgleich locken eindrucksvolle Burgen und Schlösser wie Lockenhaus, Lackenbach, Kobersdorf und Deutschkreutz sowie die Burg­ ruine Landsee. Kulturell gibt hier Franz Liszt den Ton an. Der große Komponist wurde in Raiding geboren und wird mit einem Museum und einem Konzerthaus ­geehrt.

Slow down im Süden

Ganz entspannt präsentiert sich das Südburgenland. Ob Urlaub in einem urigen Kellerstöckl mitten in den Weinbergen, Privatpension oder 5-Sterne-Wellnesshotels – das Angebot bedient jeden Geschmack. Hier ist nahezu alles möglich. Die urig-­romantische Hügellandschaft bildet die Kulisse für ausgedehnte Wanderungen, E-Bike-Ausflüge oder eine Runde auf dem Golfplatz. Plicht­termin ist ein Besuch der Buschenschank inklusive Brettljause und Uhudler.

Thermen und Genuss

Diese Beliebtheit bei Gästen beflügelt auch den burgenländischen Tourismus. Mit knapp 3,1 Millionen Nächtigungen wurde 2017 ein neuer Rekord aufgestellt. Neben dem vielfältigen Angebot an Thermen sind dafür vor allem zwei Faktoren verantwortlich.

Das Burgenland gilt als Land der Bühnen. Vor allem in den Sommermonaten wird im ganzen Land aufgespielt. Hans Peter Doskozil, Finanz- und Kulturlandesrat sowie designierter Nachfolger von Landeshauptmann Hans Niessl, präsentierte heuer etwa seine Pläne für die Festivalregion Neusiedler See.

Gemeinsam mit den Esterházy-Betrieben sollen neue Potenziale gehoben werden. Daher feiern die Opernaufführungen im Römersteinbruch St. Margarethen im kommenden Jahr auch ihr Comeback und werden künftig im Verbund mit den Seefestspielen Mörbisch und dem Eisenstädter Festival „Herbstgold“ vermarktet. Außerdem verwöhnt man die Besucher des Burgenlands mit vielfältigen Genussangeboten. Im Herbst steht traditionellerweise ein besonderes Federvieh im Fokus. Bereits zum siebenten Mal lockt heuer das lukul­lische Festival „Gans Burgenland“ mit einer Reihe von Veranstaltungen und Angeboten rund um das heim­liche Wahrzeichen des Landes.

Acht Genussfeste mit tollen Rahmenprogrammen sowie rund 25 buchbare Angebote laden die Besucher dazu ein, den Herbst im Burgenland von seiner ­genussvollen Seite zu entdecken.

Wirtschaft wächst weiter

Die dynamische Entwicklung des Burgenlands lässt sich auch an den Zahlen ablesen. Die „Economics & Market Analysis Austria“ der UniCredit Bank Austria aus dem Jahr 2017 stellt dem Burgenland ein Top-Zeugnis aus. Seit fünf Jahren ent­wickeln sich die Wachstumsraten überdurchschnittlich.

Vor allem der Bau- und der Dienstleistungssektor sind zu den wichtigsten Trägern des Aufschwungs der burgenländischen Wirtschaft geworden. Aber auch Industrie und Produktion haben im Burgenland an Dynamik gewonnen. Laut Erhebungen der Bank Austria ist Österreichs Wirtschaft 2017 real um 3 % gewachsen, so stark wie seit 2007 nicht mehr. Im Burgenland hat die Wirtschaft laut Bank Austria vergangenes Jahr sogar um 3,3 % zugelegt.

Die Schnellschätzung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) weist für die reale regionale Bruttowertschöpfung (ohne Land- und Forstwirtschaft) sogar ein Plus von 3,5 % aus. Damit liegt das Burgenland über dem Österreichschnitt von 3,2 %.

Für Landeshauptmann Hans Niessl ein Erfolg der Betriebe sowie der Burgenländer selbst. „Unsere Leute werden nicht nur im Land geschätzt, als tüchtige Mitarbeiter, sondern auch außerhalb. Die Burgenländer sind verlässlich und fleißig“, so Hans Niessl.

Ausbildungsniveau weiter steigern

Um dieses Niveau auch in den nächsten Jahren zu halten, steht der Ausbildungssektor im Fokus. Denn die Talente von heute sind die Fachkräfte von morgen. Das Burgenland hat die höchste Maturantenquote Österreichs und unter anderem mit der FH Burgenland ein modernes Ausbildungszentrum mit vielen Lehrgängen in wichtigen Zukunftsbereichen. Dazu zählt unter anderem saubere Energie. Dank Windkraft ist das Burgenland seit 2013 stromautark und somit erneut Vorreiter in Österreich.

Guter Boden für Unternehmen

Auch für Unternehmen ist der Boden hier ideal, um Ideen zum Fliegen zu bringen. Jedes Jahr werden beim Innovationspreis Burgenland die besten des Landes vor den Vorhang geholt. 2017 konnte etwa die Zoerkler Gears GmbH & Co KG aus Jois mit einer vollständigen Neuentwicklung des Antriebssystems für den zivilen Helikopter KA-62 überzeugen und sich den Hauptpreis sichern. Heuer schreiben Wirtschaft Burgenland und Wirtschaftskammer Burgenland den Innovationspreis bereits zum 24. Mal aus. Gesucht werden wieder innovative Projekte burgenländischer Unternehmen in den Kategorien KMU, Großunternehmen und innovative Dienstleistungen.

Aber auch Start-ups öffnet man im Burgenland die Türen. Etwa mit günstigen Büros in den burgenlän­dischen Technologiezentren, der „Start Up Your Idea“-Challenge oder der Initiative „Smart-up“ in Kooperation mit der FH Burgenland. So will man Gründer bei den ersten Schritten begleiten.

Weitere EU-Gelder sichern

Wesentliche Triebkraft für den Aufschwung im Burgenland war, neben dem Engagement der Burgenländer selbst, Geld aus den Fördertöpfen der Europäischen Union. Die Regionalmanagement Burgenland GmbH (RMB) ist im Auftrag des Landes Burgenland Ansprechpartner für die EU-Förderpolitik im Burgenland und beantwortet alle Fragen rund um die EU und EU-Förderprogramme.

Insgesamt 1.440.000.000 Euro an EU-Mitteln sind seit 1995 dem Burgenland zugutegekommen. Die aktuelle Förderperiode endet 2020. Damit das Burgenland die Entwicklung auch in diesem Tempo weiter aufrechterhalten kann, gilt es, auch in Zukunft Förderungen der EU fürs Burgenland zu sichern. Landtagspräsident Christian Illedits ist dazu in Brüssel unterwegs und sucht den Schulterschluss mit anderen Übergangsregionen. Seit 2. Mai laufen die Verhandlungen über die Aufteilung der Gelder in der EU nach 2020. Der fertige Vorschlag soll im März 2019 vorliegen. Danach wird im EU-Parlament darüber abgestimmt. Hoffentlich auch zum Wohle des Burgenlands.

Hoffnungsmarkt Reich der Mitte

Doch nicht nur in Europa versucht sich das Burgenland stark aufzustellen. Auch in den Fernen Osten streckt man seine Fühler aus.

Eine 30-köpfige Wirtschaftsdelegation unter der Leitung von LH Hans Niessl sowie Wirtschafts- und Tourismuslandesrat Alexander Petschnig bereiste heuer China, um Kontakte zu knüpfen. Das Reich der Mitte ist nach Deutschland und Ungarn der drittwichtigste Exportmarkt. Waren im Wert von knapp
90 Millionen Euro wurden 2017 vom Burgenland nach China geliefert – und die burgenländische Landesspitze ortet noch viel mehr Potenzial.

Auch im Forschungsbereich soll es Kooperationen zwischen dem Burgenland und China geben. Beim Treffen mit der Hongkong Polytechnic University wurde etwa eine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Burgenland im Forschungsbereich auf Schiene gebracht. „Zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien, im Bereich der Energieeffizienz. Da gibt es viele Perspektiven auch im Bereich der Speicherung, der LED-Technologie“, sagt Landeshauptmann Hans Niessl, der die Forschungsquote in den kommenden Jahren deutlich erhöhen will. Denn damit wird letztlich auch der Grundstein für eine erfolgreiche Entwicklung des Burgenlands in den kommenden Jahrzehnten gelegt.

FOTO: © Burgenland Tourismus/Peter Burgstaller

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