Wenn es darum geht, Meisterwerke aus allen Epochen an zwei Klavieren zum Leben zu erwecken, dann sind mit Sicherheit die virtuosen Pianistenbrüder Eduard und Johannes Kutrowatz am Werk.

Ob Klassiker von Liszt oder Schubert, Jazz von Gershwin oder Tango Nuevo von Piazzolla: Wenn man ihre Kritiken liest, kommt man ins Schwärmen. Da wird von „fulminantem Klavierspiel eines außergewöhnlichen Brüderpaares“ oder einem „Feuerstrom aus zwei Klavieren“ geschrieben. Zu Recht.

Das Brüder-Klavierduo Eduard und Johannes Kutrowatz begeistert die Zuhörer, fasziniert Klassikliebhaber. Die Pianisten aus Rohrbach bei Mattersburg sind nun weltberühmt. Doch sie sind vor allem eines: bodenständig geblieben. Die beiden sind vorwiegend in Wien zu Hause, wenn sie nicht gerade in Japan oder den USA auf Tournee sind. „Wien ist und bleibt die Kulturhauptstadt der Musik“, bestätigen die Brüder unisono. Aber auch ihre Heimat im Burgenland ist ihnen alles andere als fremd geworden.

Früh übt sich

Schon mit zwei, drei Jahren haben Eduard und Johannes mit dem Klavier ihres Großvaters Bekanntschaft gemacht, weil ihre Tante für ihren Lehrberuf Klavier spielen musste. Die Buben haben immer zugeschaut und mit ihren kleinen Fingern versucht Melodien, welche ihr Großvater gepfiffen hat, auf dem Klavier nachzuspielen.

Ohne Noten zu kennen, gelang es ihnen tatsächlich, einige der Tonfolgen nachzuspielen. Der Grundstein war gelegt. Im Joseph Haydn Konservatorium in Eisenstadt holte man sich in der Folge die Praxis – und später auch die nötige Professionalität an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. ­Johannes lernte neben Klavier auch Klarinette und Dirigieren, Eduard alle Schlaginstrumente und künstlerische Intendanz.

Die 40-Finger-Technik

Der Anstoß, mit vier Händen auf bis zu zwei Klavieren zu spielen, kam von ihrer gemeinsamen Lehrerin, Renate Kramer-Preisenhammer. In Stresa in Italien wurde das Duo wenig später mit dem ersten Preis belohnt. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen, wie der Kulturförderungspreis des Landes Burgenland, der Musikpreis der „Theodor Kery Stiftung“ sowie das Große Ehrenzeichen des Landes Burgenland. Zahlreiche Konzertreisen führen die Brüder regelmäßig nach Japan, Korea, Kanada, in die USA, nach Afrika, nach Australien und Russland. In den Konzertsälen „Suntory Hall“ in Tokio, der „Carnegie Hall“ in New York, dem „South Bank Centre“ in Toronto oder dem „Haydnsaal“ in London sind sie ebenso zu Hause wie im „Konzerthaus“ in Wien oder im „Musikverein“ in Eisenstadt. Radio- und Fernsehaufnahmen sowie bisher schon 20 CD-Produktionen runden ihre künstlerische Arbeit ab.

Der Traum vom Musik-Festival

Mit der Gründung und künstlerischen Leitung des Festivals „Klangfrühling“ auf der Burg Schlaining und den „Liszt-Festspielen“ in Raiding haben sich die konzertanten Brüder einen Traum realisiert. Ihr großes Vorbild: Franz Liszt. Das Wunderkind aus Raiding war zu Lebzeiten der größte Musiker Europas und vergleichbar mit einem ­berühmten und gefeierten internationalen Pop-Star der Gegenwart. Zu Stars sind nun auch die Liszt-Fans, die Kutrowatz-Brüder, geworden. Und zwar durch harte Arbeit mit bis zu acht Stunden täglichem Klavier-Training. „Das ist wie beim Spitzensport. Ohne ständiges Training geht gar nichts“, vergleicht Johannes Kutrowatz seine stundenlangen Finger- und Gehirnübungen am Klavier.

Scheibchenweise Kutrowatz

Dem Anlass „130 Jahre Platten­spieler“ und dem wiedererstarkten Trend zur Vinyl-Scheibe wird das Pianoduo Kutrowatz ebenfalls gerecht. Im Juni starten die Tonaufnahmen. Die Präsentation der neuen Schallplatte ist für das Liszt-Festival im Oktober 2017 in Raiding geplant. Auch ein Turntable (Bild oben) mit dem Namenszug der Künstler wird dann für den japanischen Markt produziert.

Liszt-Festival

Konzerte im Rahmen des Liszt-Festivals Raiding 2017: 22.–26. 3.,
www.lisztfestival.at

TEXT: Gerhard Krause, FOTO: Ferry Nielsen

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