Ihr drückt ganz Österreich die Daumen: Nach einer neuerlichen -Operation Anfang März, diesmal am linken Knie, arbeitet Skistar Anna Veith (28) konzentriert an ihrem zweiten Comeback. Wie geht es ihr derzeit? Läuft das Aufbautraining nach Plan? Welche Ziele steckt sie sich? Wir haben mit Anna telefoniert und nachgefragt.

Den Horrorsturz 2015 ­haben wir leider noch allzu gut in Erinnerung. Beim Training in Sölden stürzt Anna Veith schwer. Die Diagnose ist niederschmetternd. Kreuz- und Seiten­band­riss im rechten Knie, die Patellasehne ist komplett durchtrennt. Ist das bereits das Ende einer Traumkarriere? Das fragen sich viele.

Doch Anna Veith schafft das schier Unmögliche und kämpft sich zurück in den Weltcup. Aber nur wenige Wochen später folgt die nächste Hiobsbotschaft: Aufgrund einer Patellasehnenentzündung im linken Knie endet die Saison abermals viel zu früh. Da die Entzündung bereits weit fortgeschritten ist, entschließt sich Anna nach Absprache mit ihren Ärzten zu einer Operation und startet de facto neuerlich bei null. Viele hätten zu diesem Zeitpunkt wohl die Flinte ins Korn geworfen. Doch aufgeben ist für Anna Veith definitiv ein Fremdwort.

schau: Hallo Anna, wie geht es dir, wie geht es deinem linken Knie?
Anna Veith: Wieso gerade dem linken Knie? (Lacht) Also, mein Gefühl ist sehr gut. Es sind jetzt sieben Monate nach der Operation, ich war auch schon wieder auf Schnee und habe die ersten Schwünge gezogen. Dafür haben wir im Training die Skibelastung simuliert – im Kraft­bereich und auf dem Trampolin. Da waren jetzt die ersten Eindrücke einmal sehr gut.

Andere hätten längst aufgegeben. Woher nimmst du die Kraft, mit all den verletzungsbedingten Rückschlägen fertigzuwerden?
Natürlich war es eine lange Zeit, die ich mich vorbereitet habe für mein Comeback. Als es so weit war, habe ich mich auch extrem darüber gefreut. Da waren sicher Sachen dabei, die sehr gut waren, wie der Podestplatz im Jänner in Cortina. Aber ich habe auch gemerkt, dass es an gewissen Dingen noch gehakt hat. Ich versuche es im Allgemeinen so zu ­sehen, dass ich mit dieser Operation einfach noch einmal einen Schritt zurück gemacht habe und so quasi Anlauf für ein besseres Gefühl genommen habe. Anlauf für das, was ich eigentlich vorhabe – Spaß zu ­haben beim Skifahren und wieder Gas zu geben. So sehe ich das.

Wie unterscheidet sich die Verletzung im linken Knie von der im rechten?
Man kann die beiden Verletzungen schwer miteinander vergleichen, obwohl eigentlich die gleiche Sehne betroffen ist. Die Verletzung am rechten Knie war einfach noch viel komplexer. Da ist die Stabilität des Knies auch sehr stark beeinträchtigt gewesen, war eigentlich komplett weg. Ich musste bei Null anfangen, mit ersten Ansteuerungsübungen, die ganzen Bewegungen wieder neu erlernen. Das war bei dieser Operation links jetzt nicht so extrem. Natürlich ist mir da ein Stückerl von der Sehne rausgeschnitten worden. Die Herausforderung war, dass sich die Sehne wieder stärkt und sich in dem Bereich, wo ein Stück entfernt wurde, wieder neues Sehnengewebe bildet. Das dauert halt seine Zeit. Von der ersten Verletzung wusste ich aber schon, dass die Patellasehne lange braucht und dass ich mir eben diese Zeit geben muss. Trotzdem ist vom Gefühl her zwischen rechts und links ein großer Unterschied. Rechts ist die komplexe Verletzung, die ganz einfach noch ganz andere Probleme mit sich bringt. Links ist die Muskulatur viel weniger beeinträchtigt gewesen. Da war einfach der Schmerz sehr lokal und das war eigentlich das Einschränkende.

Als Skirennläuferin beide Knie lädiert zu haben, ist ja eigentlich der Super-GAU.
Es ist sicher nicht leicht. Aber es ist natürlich so, dass in dem halben Jahr, in dem ich am linken Knie gearbeitet habe, auch am rechten ganz viel passiert ist. Ich habe wieder viel mehr Muskulatur und bin viel stabiler im Knie. Das ist auch nochmal ganz wichtig, diese Zeit in das rechte Knie zu investieren, aber eben gleichzeitig auch das linke in den Griff zu kriegen. Das ist natürlich schon eine große Herausforderung, aber ich denke, dass ich auf ­einem guten Weg und sehr gut ­betreut bin.

Setzt du neben dem körperlichen Training auch auf mentale Techniken?
Nein, nicht wirklich. Ich habe im Training einen genauen Plan, nach dem ich trainiere. Ich weiß, wo meine Ziele sind, die ich auch ­kurzfristig erreichen will, und ich weiß, was ich dafür zu tun habe. Das reicht eigentlich. Ich setze da jetzt keine speziellen Techniken ein. Zurzeit bin ich voll auf mein Krafttraining fokussiert, damit ich körperlich voll fit bin. Das ist eigentlich das Wichtigste. Ich versuche natürlich schon, in mich hineinzuspüren, was ich genau brauche zum Skifahren, damit ich das so gut wie möglich vorbereiten kann. Da geht es eher um die körperlichen Belastungen, mit dem Kopf hat das weniger zu tun.

Das komplette Interview finden Sie auf readly.at.

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Anna Veith kehrt zurück

Ab 28. 10. startet die neue Ski-Saison. Beim Auftakt wird Anna Veith noch nicht dabei sein, die Olympiasiegerin wird aber nach zwei schweren Knieverletzungen noch in dieser Saison ein vielumjubeltes Comeback feiern.

INTERVIEW: Christoph Berndl, FOTO: Milka

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