Daran müssen wir uns erst gewöhnen: Anna Fenninger heißt jetzt Veith. Zurück aus den Flitterwochen erzählt uns der österreichische Skistar, wie sie nach dem schweren Sturz im Vorjahr am Comeback arbeitet, wie sie die Fans dabei unterstützen und warum sie die Dinge immer offen anspricht.

Wo Anna Veith (26)  auftritt, sind die Kameras auf sie gerichtet. Frisch verheiratet zurück aus den Flitterwochen mit ihrem Langzeitpartner Manuel absolviert sie anlässlich der Wiener Showroom-Eröffnung des US-Sportlabels Under Armour bereits wieder ein wahres Mammutprogramm in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Der Ansturm ist enorm. Nur wenige Stunden davor wurde sie mit dem „Großen Ehrenzeichen der Republik Österreich“ geadelt.

Olympiagold, drei Weltmeistertitel und zwei gewonnene Gesamtweltcups hat sie bislang eingefahren. Dann kam der 21. Oktober 2015. Drei Tage vor dem Start der Saison ein Horror-Sturz beim Training in Sölden. Die Diagnose für Anna ist verheerend – Kreuz- und Seiten­band­riss, die Patellasehne durchtrennt. Noch vor dem Beginn ist die Saison bereits beendet, vielleicht sogar die Karriere.

Horror-Sturz & Comeback-Pläne

„Gleich nach der MR-Untersuchung hat mir der Arzt damals gesagt: ,In deinem rechten Knie ist eigentlich alles hin.‘ Das war der Moment, in dem ich mir dachte, das war’s jetzt. Das wird nichts mehr“, erzählt Anna Veith. „Aber Dr. Christian Hoser war so cool und hat mir ganz genau erklärt, wie er das operieren will. Nach der Operation meinte er dann, dass alles super verlaufen ist und das es wieder werden wird. Da war mir klar, die Basis ist gelegt, ich kann es schaffen und ich will unbedingt wieder Skifahren. Ab dem Zeitpunkt war der Gedanke weg, dass ich es nicht schafften könnte. Ich bin eigentlich sehr positiv.“

Was folgt, ist ein mühsamer Kampf zurück zur alten Stärke. Auch wenn sich bereits erste Fortschritte abzeichnen, bleibt Anna realistisch: „Am Anfang der Reha konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, was alles auf mich zukommt. Das ist jetzt gute sechs Monate her. Die Bänder sind gut verheilt, das Knie selbst ist stabil. Man muss sich aber vorstellen, dass es durch die durchtrennte Patellasehne keine Verbindung zwischen Schienbein und Oberschenkelmuskulatur mehr gab. Das muss zusammenheilen. Der Reiz über die Sehne, den die Muskeln brauchen, der ist noch nicht so, wie er sein soll. Deswegen kann mein Oberschenkel die Information noch nicht richtig aufnehmen und deswegen wächst der Muskel auch nicht.“

Wenn alles nach Plan läuft, will Anna im August, vielleicht auch schon etwas früher, erstmals wieder die Ski anschnallen. Auch eine Rückkehr in den Skiweltcup rückt in greifbare Nähe. „Mein Ziel ist, schon in Sölden wieder dabeizusein. Aber das ist sehr hochgesteckt, dessen bin ich mir bewusst. Um etwas zu erreichen, muss man sich aber hohe Ziele setzen. Ich hoffe, dass ich in Sölden wieder dabei bin. Wenn es aber nicht so ist, dann wird es halt erst in Amerika soweit sein. Ich tue jedenfalls alles dafür, um bald wieder starten zu können. “

Kraft ziehen aus den Erfolgen

Nicht nur Spitzensportler wissen: Erfolg findet vor allem auch im Kopf statt. Wie hat es die sympathische Halleinerin geschafft, sich in den letzten Monaten selbst zu motivieren? Setzt sie auf mentale Stärke? „Ich habe das Glück, dass ich schon sehr viel erreichen durfte. Für mich ist es immer wichtig, Sachen zu spüren. Wenn ich zum Beispiel nach dem Lauf im Ziel abschwinge, die Menge tobt und in mir ist gerade das Gefühl, dass das ein superguter Lauf war, dann gibt mir das irrsinnig viel Kraft. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn man ein Rennen gewinnt und seine Ziele erreicht. Wenn es mir einmal nicht so gut geht mit der Motivation, dann denke ich an diese Momente und dann weiß ich wieder genau, was ich zu tun habe.“

Die Fans stehen hinter ihr

Der Unterstützung ihrer Fans kann sich Anna dabei gewiss sein. Mehr als 660.000 Fans auf Facebook drücken hier die Daumen und pushen sie in Richtung Comeback. „Meine Fans unterstützen mich ganz extrem. Vor allem jetzt mit meiner Verletzung ist ihr Commitment echt ein Wahnsinn. Allein an dem Tag, wo der Unfall passiert ist, sind 20.000 neue Follower dazugekommen. Das ist schon speziell.“

Die Wahrheit tut manchmal weh

Nicht nur für ihre Natürlichkeit lieben die Fans ihre Anna. Auch ihr Kampfgeist ist legendär. Mit ihrer Geradlinigkeit, hat sie auch im ÖSV ihre Linie durchgesetzt und ihren Standpunkt vertreten. So wurde sie zum Vorbild für viele junge Frauen. „Ich will gar kein Vorbild sein und habe da auch keine Hintergedanken. Für mich ist Ehrlichkeit ein Grundwert im Leben. Das ist total wichtig. Die verlange ich von meinen Mitmenschen genauso, wie ich sie gebe. Deswegen sage ich einfach auch immer, wie es ist. Das hat gar keinen besonderen Grund und ich muss auch nicht unbedingt etwas erreichen. Mir geht es nur darum, die Tatsachen beim Namen zu nennen. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann stehe ich da auch voll dahinter. So möchte ich durch mein Leben gehen, egal, was kommt. Das hat mich auch immer weitergebracht. Ehrlichkeit bewährt sich am längsten. Ich versuche meine Entscheidungen so zu treffen, wie sie für mich am besten sind.“

Worum es Anna wirklich geht

Jetzt liegt Annas voller Fokus auf der Rückkehr in den Skiweltcup. Die Vorzeichen dafür stehen mehr als gut. Aber manchmal, gesteht Anna, werden auch Gedanken wach, dass es vielleicht nicht mehr klappen könnte. Hat sie Angst davor, dass sie aus der Öffentlichkeit verschwinden könnte? „Für mich ist es nicht das Wichtigste, im Mittelpunkt zu stehen und Ruhm zu haben. Für mich ist wichtig, dass ich meinen Sport machen kann. Es ist einfach schön, wenn Leute davon schwärmen und sagen: ,Du machst das super.‘ Das ist es, was einem gut tut. Solange ich Sport mache, ist das für mich natürlich wichtig. Ich war nie darauf aus, durch den Sport in die Öffentlichkeit zu kommen. Daher habe ich auch keine Angst, dass es mir schlecht ginge, wenn es einmal nicht mehr so wäre.“

Aber daran wollen ihr Fans und wir erst gar nicht einmal denken. Alle drücken ihr fest die Daumen und freuen schon jetzt darauf, bald wieder neue Erfolge mit ihrer Anna feiern zu dürfen.

TEXT: Christoph Berndl, FOTO: Reiner Riedler

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