Im Burgenland werden Unternehmen herzlich empfangen. Auch Start-ups will Wirtschaftslandesrat Alexander Petschnig beim Geschäftsaufbau unter die Arme greifen. Dabei setzt er vor allem auf Innovationsgeist und neue Modelle im Finanzierungsbereich.

Preview: Das Wirtschaftswachstum in Österreich betrug im Vorjahr 3,3 %. Wie sah es im Burgenland aus?
Alexander Petschnig: Im Jahr 2017 hatten wir 3 % Wirtschaftswachstum, also etwas unter dem Durchschnitt. Das liegt einfach daran, dass wir nicht so ein hochindustrialisiertes Land sind. 2018 können wir laut einer Prognose von der Wirtschaftskammer nochmal zulegen. Also da wird sogar mit 3,2 % gerechnet.

Welche Branchen sind die Haupttreiber?
Im Burgenland sind es einige, die Gewicht haben. Das ist vor allem die Baubranche und auch der Tourismus. Das sind auch jene Branchen, wo relativ viel Beschäftigung erzeugt wird, was natürlich auch von der Bevölkerung entsprechend wahrgenommen wird. Aber auch das verarbeitende Gewerbe und die Industrie sind wichtig. Wir haben zwar keine Großindustrie im Ausmaß einer Voest oder so, aber viele fleißige, tolle Betriebe mit so zwischen 100 bis 500 Mitarbeitern.

Die berichten uns von Exporterfolgen und einer weiter steigenden Nachfrage. Daher investieren sie auch entsprechend. Investiert wird nur, wenn man glaubt, man kann auch etwas zurückgewinnen. Insofern, glaube ich, ist der Optimismus nicht nur vorhanden, sondern auch begründet. In einer Hochkonjunktur lebt es sich gut.

Wie sichert man sich für die -Zukunft ab, wenn die Konjunktur schwächeln sollte?
Das Burgenland hat ein bisschen ein Problem mit der Forschungsquote. Wir haben keine Universität hier, schon gar keine technische Universität. Aufgrund dieses starken Nachteils müssen wir auf angewandte Forschung in den Betrieben setzen. Und da sind die Start-ups ein wesentlicher Aspekt. Nicht nur die bestehenden Industriebetriebe, sondern auch neue, die eben konkrete He-rausforderungen lösen. Wir haben bestimmte Stärken, etwa im Bereich Autoelektronik oder alternative Energie, und die gilt es zu nutzen.

„#woschechtinnovativ“ heißt eine neue Innovations-Lounge der Wirtschaft Burgenland. Worum geht es bei dieser Veranstaltung?
Das ist ein Bewerb oder eine Plattform, wo wir zu zeigen versuchen, dass es auch im Burgenland tolle Gründer gibt. Wertvolles Know-how, das auch in vermarktbare Produkte umgewandelt wird. Daneben gibt es den „Innovationspreis Burgenland“, bei dem wir die besten Unternehmen des Burgenlands vor den Vorhang holen. Außerdem haben wir vor Kurzem eine gemeinsame Plattform mit dem ungarischen Komitat Györ-Moson-Sopron aus der Taufe gehoben. Da sind wir aktiv, weil wir glauben, dass das wichtig ist, um die Forschungsquote zu heben und den -Innovationsgeist des Burgenlands noch stärker in den Vordergrund zu stellen.

Sollen sich Start-up-Lounge und „Innovationspreis“ ergänzen?
Es wäre natürlich interessant, wenn wir für die Start-ups eine eigene Kategorie machen könnten. Dieses Ziel ist aber heuer noch nicht erreichbar. Da müssen wir darauf hinarbeiten.

Wo drückt Start-ups besonders der Schuh?
Da ist etwa der Finanzierungsbereich. Die Banken sind hier mitunter besonders schwierig. Man könnte über Haftungen von Landesseite oder über stille Beteiligungen nachdenken und hier noch nachschärfen. Es geht einfach darum, das alles noch einfacher, schneller und effizienter zu gestalten. Und das ist natürlich schon interessant, wenn man es von den Betroffenen selbst hört. Und da nehme ich auch – und ich hoffe auch andere Vertreter der Politik, die auch zugegen waren – entsprechende Erkenntnisse mit.

Dank EU gibt es im Burgenland eine solide Förderlandschaft. Die Förderperiode endet 2020 und die Vorarbeiten für eine Verlängerung laufen. Wird es weniger oder gar kein EU-Geld mehr geben?
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei Landeshauptmann Hans Niessl zu bedanken. Der war wirklich vom Kommissionspräsidenten bis zum Ausschuss der Regionen aktiv, um hier eine weitere bevorzugte -Periode für das Burgenland herauszuholen. Ich glaube, das schaut auch nicht so schlecht aus. Allerdings -werden auch die Fördersätze immer geringer. Der Aufholprozess des -Burgenlands ist evident.

Das geht aus der Statistik hervor und daher wird reduziert. Das ist klar. Es ist so, dass wir uns sowieso darauf einstellen müssen. Und ich glaube, dass wir unsere Stärken ausspielen sollten. Wir haben den Vorteil, dass wir klein sind, dass wir schnelle Entscheidungswege haben und dass wir dann bei bestimmten Unternehmensgrößen oder bei bestimmten Themen, Betriebsansiedelungen und dergleichen, wo der rein pekuniäre Teil der Förderung auch schön, aber nicht ausschlaggebend ist, punkten können. Mit 100, 200 oder 300 Mitarbeitern ist man in Wien irgendeine Nummer. Im Burgenland wird man sozusagen auf Händen getragen. Die Türen vom Landeshauptmann und Landesrat bis zur Wirtschaft Burgenland stehen einem jederzeit offen. Diese Wertschätzung ist für Unternehmer ein großer Vorteil.

Anfang des Jahres gab es eine Wirtschaftsmission ins Reich der Mitte. Was sind die größten Hoffnungen auf dem chinesischen Markt?
Dass wir mit unseren hochqualitativen Produkten punkten können. Da geht es einerseits um gesunde Lebensmittel oder um unser Flaggschiff, den Wein. Auf der anderen Seite aber auch um industrielle oder auch gewerbliche Produkte. Alles, was mit Umweltschutz zu tun hat, mit Gewässerreinigung und -sanierung sowie Trinkwasseraufbereitung, ist ein großes Thema. Da sind wir stark. Ein Drittel des Burgenlands steht unter Naturschutz.

Also, wir leben das auch. Und dann sind da natürlich die Hochtechnologien – Stichwort Opto-Elektronik, wo wir ja ein Forschungsinstitut von Joanneum Research ins Land bekommen und begrüßen dürfen. Außerdem können wir uns vorstellen, ein Büro der Wirtschaft Burgenland in China zu eröffnen und somit Ansprechpartner für Unternehmer vor Ort zu schaffen. Jemanden, der die Sprache, die Kultur und die Ressourcen kennt.

Wie wichtig ist die Centrope-Region für das Burgenland?
Dass die wichtig ist, zeigen die -Zahlen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs beziehungsweise dem EU-Beitritt. Damals hatte das Burgenland ein Bruttoregionalprodukt pro Kopf von rund 70 % gemessen am EU-Schnitt. Jetzt sind wir immer zwischen 90 und 100 %. Es ist halt so, dass alles, was Vorteile hat, auch Nachteile bringt. Wir haben natürlich einen größeren Markt, wir gewinnen qualifizierte Arbeitskräfte, die Unternehmer sonst nicht finden würden.

Also, die verdrängen jetzt nicht unbedingt die Burgenländer. Es ist aber auch so, dass man natürlich Probleme hat, insbesondere von -Unternehmerseite, da nicht immer alle Konkurrenten oder Mitbewerber aus dieser Region, die steuer-, arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Normen berücksichtigen. Unlauterer Wettbewerb ist der „Terminus“, den ich immer verwende, und da sind natürlich die Behörden gefragt, dass man das verfolgt. Sprich Kontrollen an den Grenzen, jetzt nicht nur hinsichtlich der Flüchtlingssituation, sondern hinsichtlich unlauteren Wettbewerbs. Wenn das grenzüberschreitend entsprechend gelöst werden könnte, dann ist der Vorteil für das Burgenland evident.

Vielen Dank für das Gespräch.

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